In diesem Artikel
Thiamin - so heißt Vitamin B1 in der Biochemie. Es war das allererste Vitamin, das die Wissenschaft identifiziert hat, und es bleibt bis heute eines der am wenigsten beachteten. Dabei ist Thiamin ein essentieller Cofaktor an den kritischsten Stellen des menschlichen Energiestoffwechsels. In diesem Artikel erklären wir, was Thiamin chemisch ist, warum der Körper es nicht speichern kann und warum seine Entdeckung die gesamte Vitaminforschung begründet hat.
Was ist Thiamin chemisch?
Thiamin (chemisch: 2-[3-[(4-Amino-2-methylpyrimidin-5-yl)methyl]-4-methyl-1,3-thiazol-3-ium-5-yl]ethanol) ist ein wasserlösliches Vitamin aus der Gruppe der B-Vitamine. Der Name leitet sich vom Schwefelatom in seiner Molekülstruktur ab (griechisch "theion" = Schwefel). In Nahrungsergänzungsmitteln liegt Thiamin meist als Thiaminhydrochlorid vor - eine stabile Salzform mit hoher Wasserlöslichkeit und guter Bioverfügbarkeit.
Im Körper wird Thiamin zu Thiaminpyrophosphat (TPP) umgewandelt - das ist die biologisch aktive Coenzymform. TPP ist der eigentliche Cofaktor, der an den Schlüsselenzymen des Energiestoffwechsels arbeitet.
Warum war Thiamin das erste entdeckte Vitamin?
Die Geschichte von Thiamin beginnt mit einer Krankheit: Beriberi. Im 19. Jahrhundert starben in asiatischen Ländern Millionen Menschen an dieser rätselhaften Erkrankung, die sich als Nervenschädigung und Herzinsuffizienz äußerte. Die Ursache war ein Mangel an Thiamin - ausgelöst durch den Übergang von Naturreis zu poliertem weißem Reis, bei dem die thiaminreiche Kleie entfernt wird.
1910 isolierte der japanische Wissenschaftler Umetaro Suzuki einen Stoff aus Reiskleie, der Beriberi verhindern konnte. 1926 wurde Thiamin schließlich in kristalliner Form gewonnen - als erstes Vitamin in der Geschichte der Biochemie. Die Bezeichnung "B1" bezieht sich also direkt darauf, dass es das erste entdeckte B-Vitamin war.
Warum kann der Körper Thiamin nicht speichern?
Anders als fettlösliche Vitamine (A, D, E, K), die im Fettgewebe und in der Leber deponiert werden, ist Thiamin wasserlöslich. Das hat zwei Konsequenzen:
- Keine relevante Speicherung: Die körpereigenen Depots betragen nur 25-30 mg - überwiegend in Skelettmuskulatur, Herz, Leber, Nieren und Gehirn. Bei fehlender Zufuhr sind diese Reserven in 2-3 Wochen aufgebraucht
- Renale Ausscheidung: Überschüssiges Thiamin wird über die Nieren mit dem Urin ausgeschieden. Der Körper nimmt sich, was er braucht - der Rest wird eliminiert. Eine Akkumulation und damit eine Überdosierung ist unter normalen Bedingungen unwahrscheinlich
Das ist auch der Grund, warum es für Thiamin in der EU kein festgelegtes Tolerable Upper Intake Level (UL) gibt. Das BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung) bewertet hohe Dosierungen als unbedenklich.
Wo wird Thiamin im Körper benötigt?
Die aktive Form TPP ist Cofaktor an drei Schlüsselstellen im Stoffwechsel:
| Enzym | Funktion |
|---|---|
| Pyruvatdehydrogenase-Komplex | Umwandlung von Glukose in Zellenergie (Tor zum Citratzyklus) |
| α-Ketoglutarat-Dehydrogenase | Energieliefernder Schritt im Citratzyklus |
| Transketolase | Pentosephosphatweg (NADPH und Ribose für DNA-Synthese) |
Zusätzlich ist Thiamin an der Synthese von Acetylcholin beteiligt - einem Neurotransmitter für Gedächtnis und Muskelsteuerung - sowie an der Myelinsynthese, der Isolationsschicht um Nervenfasern. Was diese Funktionen im Detail bedeuten, erklären wir im Artikel: Vitamin B1 und seine Funktionen.
Warum geht Thiamin beim Kochen verloren?
Thiamin ist unter allen Vitaminen eines der empfindlichsten. Es ist hitze-, licht- und wasserempfindlich. Beim Kochen in Wasser können bis zu 40 % verloren gehen, da Thiamin ins Kochwasser übergeht, das meist weggeschüttet wird. Bei langer Lagerung oder starkem Erhitzen baut es sich zusätzlich ab.
Das bedeutet: Der Thiamingehalt auf der Nährwerttabelle beschreibt den rohen Zustand. Was nach der Zubereitung auf dem Teller ankommt, ist oft erheblich weniger. Dampfgaren ist die schonendste Methode (5-15 % Verlust), Kochen in viel Wasser die schlechteste (bis 40 %).
Warum Thiamin als Supplement?
Die DGE empfiehlt 1,0-1,3 mg Thiamin pro Tag. Laut Nationaler Verzehrsstudie erreichen 20-30 % der Frauen in Deutschland diesen Wert nicht. Der Bedarf steigt zusätzlich bei Sport, Stress, hohem Kohlenhydratkonsum und regelmäßigem Alkoholkonsum.
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Häufige Fragen
Was ist Thiamin?
Thiamin ist der chemische Name für Vitamin B1. Es war das allererste Vitamin, das die Wissenschaft identifiziert hat. Es ist ein wasserlöslicher, essentieller Cofaktor im Energiestoffwechsel, den der Körper nicht selbst herstellen kann.
Warum kann der Körper Thiamin nicht speichern?
Thiamin ist wasserlöslich. Überschüsse werden über die Nieren ausgeschieden, nicht im Fett- oder Lebergewebe eingelagert. Die körpereigenen Depots betragen nur 25–30 mg und reichen bei fehlender Zufuhr für wenige Wochen.
Geht Thiamin beim Kochen verloren?
Ja. Thiamin ist hitze- und wasserempfindlich. Beim Kochen in Wasser gehen bis zu 40 % verloren. Dampfgaren und kurzes Braten erhalten mehr Thiamin als langes Kochen.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.