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Vitamin-D-Mangel im Winter: die Lage in Deutschland

Dr. Jana Palm
6 Minuten

Vitamin-D-Mangel

In diesem Artikel

Sobald die Tage kürzer werden, taucht ein Thema verlässlich wieder auf: der Vitamin-D-Mangel im Winter. Vitamin D ist das einzige Vitamin, das der Körper bei ausreichend Sonne selbst bilden kann – und genau das wird im Winter zum Problem. In diesem Artikel sehen wir uns die Versorgungslage in Deutschland anhand der Daten von RKI, DGE und BfR an, erklären die saisonale Logik dahinter und ordnen ein, was die Zahlen tatsächlich bedeuten.

Die Zahlen zur Versorgungslage

Nach einer gemeinsamen Stellungnahme von Robert Koch-Institut, Bundesinstitut für Risikobewertung und Deutscher Gesellschaft für Ernährung erreichen rund 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland nicht den von der DGE als wünschenswert angesehenen Vitamin-D-Spiegel von 50 nmol/l im Blut.

Diese Zahl ist eindrucksvoll, verdient aber eine genaue Einordnung. Sie beschreibt eine suboptimale Versorgung – also das Verfehlen eines wünschenswerten Werts und nicht automatisch einen schweren klinischen Vitamin-D-Mangel. Ein solcher liegt erst bei Werten unter 30 nmol/l vor und betrifft einen kleineren Teil der Bevölkerung. Diese Unterscheidung ist wichtig: Ein verfehlter Optimalwert ist nicht dasselbe wie ein medizinisch relevanter Mangel. Wer hier sauber unterscheidet, versteht die Versorgungslage realistisch statt alarmistisch.

Warum der Winter das Problem ist

Der Grund für den saisonalen Vitamin-D-Mangel liegt in der Geografie. Deutschland liegt zwischen dem 47. und 55. Breitengrad. In dieser nördlichen Lage steht die Sonne im Winterhalbjahr so tief, dass die UVB-Strahlung nicht ausreicht, um in der Haut Vitamin D zu bilden. Die DGE benennt den Zeitraum klar: Von Oktober bis März ist die körpereigene Bildung weitgehend eingeschränkt.

In dieser Zeit ist der Körper auf zwei Quellen angewiesen: auf die Vitamin-D-Speicher, die er im Sommer in Fett- und Muskelgewebe angelegt hat, und auf die Zufuhr über die Ernährung. Die Speicher sind allerdings begrenzt. Zum Ende des Winters, oft im März, sind sie bei vielen Menschen zum Großteil aufgebraucht.

Die saisonale Schwankung in Zahlen

Wie stark der Unterschied zwischen den Jahreszeiten ausfällt, zeigt die Studie zur Gesundheit Erwachsener in Deutschland des RKI eindrücklich. Im Sommer erreichte ein deutlich größerer Teil der Bevölkerung den Spiegel von 50 nmol/l, im Winter dagegen nur ein kleiner Anteil. Der Vitamin-D-Spiegel ist also keine feste Größe, sondern schwankt im Jahresverlauf erheblich. Genau deshalb ist der Vitamin-D-Mangel ein typisches Winterthema. Im Sommer entschärft sich die Lage bei den meisten von selbst.

Lässt sich ein Mangel an Symptomen erkennen?

Viele Menschen suchen nach Anzeichen, an denen sich ein Vitamin-D-Mangel festmachen ließe. Hier ist Vorsicht angebracht. Ein Vitamin-D-Status lässt sich verlässlich nur über eine Blutuntersuchung bestimmen, nämlich durch die Messung des Markers 25-Hydroxyvitamin D. Aus möglichen Beschwerden auf einen Mangel zu schließen, ist unsicher: Solche Anzeichen sind unspezifisch und können viele andere Ursachen haben.

Statt einer Selbstdiagnose über Symptome ist der zuverlässige Weg daher die Messung. Wer wissen möchte, ob ein Vitamin-D-Mangel vorliegt, lässt den Wert beim Arzt bestimmen. Das ist die einzige belastbare Grundlage für eine Entscheidung über eine mögliche Ergänzung – und schützt zugleich davor, eine unnötige oder zu hohe Zufuhr vorzunehmen.

Was Vitamin D im Körper beiträgt

Vitamin D erfüllt im Körper mehrere Funktionen, für die es gesicherte Aussagen gibt. Vitamin D trägt zu einer normalen Funktion des Immunsystems bei und trägt zur Erhaltung normaler Knochen bei. Es spielt außerdem eine Rolle bei der normalen Aufnahme und Verwertung von Calcium. Gerade im Winterhalbjahr, wenn die Eigensynthese ruht, rückt die Versorgung mit Vitamin D daher in den Fokus.

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ZUM PRODUKT

Wer ist besonders betroffen?

Die Versorgungslage ist nicht in allen Bevölkerungsgruppen gleich. Die RKI-Daten zeigen, dass bestimmte Gruppen seltener den wünschenswerten Spiegel erreichen. Dazu zählen ältere Menschen, bei denen die Haut weniger Vitamin D bildet, sowie Personen, die sich viel in Innenräumen aufhalten oder konsequent Sonnenschutz verwenden.

Diese Unterschiede sind kein Grund zur Sorge, aber eine nützliche Orientierung: Wer zu einer dieser Gruppen gehört und zugleich wenig Sonne abbekommt, hat statistisch ein höheres Risiko für eine suboptimale Versorgung – und damit einen guten Anlass, den Status messen zu lassen.

Was man tun kann

Aus der Versorgungslage ergeben sich ein paar nüchterne Schlüsse. Im Sommer hilft maßvoller Aufenthalt in der Sonne, die Speicher zu füllen. Im Winterhalbjahr lässt sich über die Ernährung nur ein kleiner Teil des Bedarfs decken, weil wenige Lebensmittel nennenswert Vitamin D liefern. Wer seinen Status kennt, kann gezielt entscheiden, ob eine Ergänzung sinnvoll ist.

Weil Vitamin D fettlöslich ist und gespeichert wird, gelten hier besondere Regeln für die Einnahme – mehr dazu in den Artikeln zu fettlöslichen Vitaminen und zur Frage, wie lange man ergänzen sollte. Über allem steht der Grundsatz: Die Messung des Status ist die beste Grundlage für jede Entscheidung.


Häufige Fragen

Wie verbreitet ist ein Vitamin-D-Mangel in Deutschland?

Nach einer gemeinsamen Stellungnahme von RKI, BfR und DGE erreichen rund 60 Prozent der Erwachsenen in Deutschland nicht den von der DGE als wünschenswert angesehenen Vitamin-D-Spiegel von 50 nmol/l. Dabei handelt es sich überwiegend um eine suboptimale Versorgung, nicht um einen schweren klinischen Mangel, der seltener auftritt.

Warum ist der Vitamin-D-Spiegel im Winter niedriger?

In Deutschland reicht die Sonneneinstrahlung laut DGE von Oktober bis März nicht aus, um über die Haut ausreichend Vitamin D zu bilden. Der Körper zehrt in dieser Zeit von den Speichern, die im Sommer angelegt wurden. Zum Winterende sind diese oft weitgehend aufgebraucht.

Kann man einen Vitamin-D-Mangel an Symptomen erkennen?

Verlässlich nicht. Ein Vitamin-D-Status lässt sich nur über eine Blutuntersuchung beim Arzt bestimmen. Von Symptomen auf einen Mangel zu schließen ist unsicher, weil mögliche Anzeichen unspezifisch sind und viele Ursachen haben können. Wer unsicher ist, sollte den Wert messen lassen.

Wann ist eine Vitamin-D-Ergänzung sinnvoll?

Das hängt vom individuellen Status ab. Viele Menschen ergänzen vor allem im Winterhalbjahr, wenn die Eigensynthese eingeschränkt ist. Ob und in welcher Dosierung eine Ergänzung sinnvoll ist, klärt am besten eine ärztliche Statusbestimmung.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.


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