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Bio Nahrungsergänzungsmittel: Was bedeutet das Bio-Siegel?

Dr. Jana Palm
6 Minuten

Bio Nahrungsergänzungsmittel

In diesem Artikel

Das EU-Bio-Siegel kennt fast jeder vom Lebensmittelregal. Auf Nahrungsergänzungsmitteln wirkt es zunächst weniger vertraut: Was genau bedeutet Bio bei einem Supplement? Warum tragen manche Produkte das Siegel und andere nicht? Und was sagt dieser kryptische Code DE-ÖKO-006 eigentlich aus? In diesem Artikel klären wir, was hinter Bio bei Nahrungsergänzungsmitteln steckt – inklusive eines ehrlichen Blicks darauf, welche Produkte überhaupt bio sein können.

Was bedeutet Bio überhaupt?

Bio ist kein Marketingbegriff, sondern ein rechtlich geschützter Standard. Grundlage ist die EU-Öko-Verordnung. Sie regelt, unter welchen Bedingungen landwirtschaftliche Erzeugnisse als "biologisch" oder "ökologisch" bezeichnet werden dürfen. Die wichtigsten Vorgaben für den Anbau:

  • keine synthetischen chemischen Pestizide
  • keine mineralischen Stickstoffdünger
  • keine Gentechnik
  • keine ionisierende Bestrahlung zur Konservierung
  • lückenlose Rückverfolgbarkeit vom Feld bis zum Endprodukt

Die Einhaltung wird durch unabhängige, staatlich zugelassene Kontrollstellen überprüft. Ein Bio Nahrungsergänzungsmittel unterliegt damit denselben strengen Anbau- und Verarbeitungsregeln wie ein Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt.

Der entscheidende Unterschied: 56 statt 320

Hier kommt die vielleicht aussagekräftigste Zahl zum Thema. In der EU sind insgesamt rund 320 Lebensmittelzusatzstoffe zugelassen – Farbstoffe, Konservierungsmittel, Geschmacksverstärker, Emulgatoren und mehr. Für die Herstellung von verarbeiteten Bio-Lebensmitteln erlaubt die EU-Öko-Verordnung dagegen nur rund 56 Zusatzstoffe. Das ist etwa ein Sechstel.

Diese eine Zahl bringt die Bio-Philosophie auf den Punkt: möglichst wenig zusetzen, möglichst nah am Rohstoff bleiben. Verboten sind bei Bio unter anderem synthetische Farbstoffe, die meisten künstlichen Konservierungsstoffe und Geschmacksverstärker wie Glutamat. Auch bei den Verarbeitungshilfsstoffen gilt eine eng begrenzte Positivliste. Für ein Bio Nahrungsergänzungsmittel bedeutet das: deutlich weniger erlaubte Zusatzstoffe als bei konventionellen Produkten.

Der DE-ÖKO-Code: Was die Nummer verrät

Auf zertifizierten Bio-Produkten steht neben dem EU-Bio-Siegel ein Code nach dem Muster DE-ÖKO-000. Er ist nicht willkürlich, sondern klar aufgebaut:

  • DE — das Länderkürzel des Ortes, an dem die letzte Verarbeitung oder Kontrolle stattfand (hier: Deutschland)
  • ÖKO — der Hinweis auf die ökologische Produktion
  • 000 — die Referenznummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle

Die Ziffern am Ende identifizieren also die konkrete Kontrollstelle, die das Produkt zertifiziert hat. Unser Code lautet DE-ÖKO-006. Wer diese Nummer nachschlägt, findet die zuständige Kontrollstelle.

EU-Bio-Logo und Verbandssiegel: der Unterschied

Neben dem Code gibt es das bekannte grüne EU-Bio-Logo – ein stilisiertes Blatt aus weißen Sternen auf grünem Grund. Dieses Logo ist für alle vorverpackten Bio-Lebensmittel und Bio-Nahrungsergänzungsmittel aus der EU verpflichtend. Es garantiert die Einhaltung der EU-Öko-Verordnung als gesetzlichen Mindeststandard.

Daneben existieren private Verbandssiegel wie Bioland, Demeter oder Naturland. Diese Verbände setzen teils strengere Maßstäbe als die EU-Verordnung – etwa bei der Tierhaltung oder bei der Anzahl erlaubter Zusatzstoffe. Für ein Bio Nahrungsergänzungsmittel ist das EU-Bio-Siegel der verbindliche Standard; Verbandssiegel sind eine zusätzliche, freiwillige Stufe. Wichtig zu wissen: Das EU-Siegel ist kein Selbstbedienungslogo – es darf nur tragen, wer die Zertifizierung tatsächlich durchlaufen hat und regelmäßig kontrolliert wird.

Der ehrliche Teil: Warum nicht alles bio sein kann

Eine Bio-Zertifizierung ist nur für landwirtschaftliche Erzeugnisse möglich. Also für Dinge, die angebaut oder erzeugt werden: Pflanzen, Früchte, Samen, daraus gewonnene Öle.

Mineralstoffe wie Magnesium, Zink oder Selen sind keine landwirtschaftlichen Erzeugnisse. Sie werden nicht angebaut, sondern aus mineralischen oder chemischen Quellen gewonnen. Deshalb kann ein isolierter Mineralstoff grundsätzlich kein Bio-Siegel tragen – egal wie hochwertig er ist. Dasselbe gilt für isolierte Vitamine, die synthetisch oder durch Fermentation hergestellt werden. Eine Ausnahme sind Pflanzenextrakte, eine dokumentierte Menge eines bestimmten Mineralstoffes enthalten – zum Beispiel Guaven-Blatt-Extrakt für Zink. 

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ZUM PRODUKT

Was bedeutet das für unser Sortiment?

Diese Unterscheidung erklärt, warum bei uns nur ein Teil der Produkte ein Bio-Siegel trägt:

Bio-zertifiziert sind unsere Pflanzenöl-Kapseln – Oreganoöl, Schwarzkümmelöl und Nachtkerzenöl. Sie stammen aus landwirtschaftlichem Anbau und können daher zertifiziert werden. Was die Bio-Zertifizierung beim Öl konkret bedeutet, erklären wir am Beispiel des Schwarzkümmelöls.

Nicht bio-zertifizierbar sind unsere Mineralstoffe und Vitamine – Magnesium, Zink, Selen, Vitamin B1, Vitamin D3+K2. Nicht aus Qualitätsgründen, sondern weil es bei diesen Stoffen schlicht keine Bio-Kategorie gibt. Was wir hier stattdessen tun: auf eine möglichst kurze, saubere Zutatenliste achten. Mehr dazu, warum wir bestimmte Stoffe wie Titandioxid oder Carrageen meiden, steht im jeweiligen Artikel.

Ist Bio bei Nahrungsergänzungsmitteln sinnvoll?

Die Antwort hängt von der Produktart ab. Bei Pflanzenölen kann Bio einen echten Unterschied machen – der Anbau beeinflusst, welche Rückstände im Öl landen und unter welchen Bedingungen die Pflanze gewachsen ist. Hier ist ein Bio-Siegel ein nachvollziehbares Qualitätsmerkmal. Bei isolierten Mineralstoffen ist die Frage hinfällig, weil es keine Bio-Variante geben kann. Wie natürlich oder verarbeitet ein Inhaltsstoff ist, sagt ohnehin nicht allein über seine Qualität aus – mehr dazu im Artikel natürlich vs. synthetisch.

Unsere Haltung: Bio dort, wo es möglich und sinnvoll ist. Und überall sonst die kürzeste, sauberste Zutatenliste, die das jeweilige Produkt zulässt.

Häufige Fragen

Was bedeutet Bio bei Nahrungsergänzungsmitteln?

Bio bedeutet, dass die landwirtschaftlichen Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau gemäß EU-Öko-Verordnung stammen - ohne synthetische Pestizide, ohne Mineraldünger, ohne Gentechnik. Bei Nahrungsergänzungsmitteln betrifft das Produkte mit pflanzlichen Zutaten, etwa Pflanzenöle.

Was bedeutet der DE-ÖKO-Code?

Der Code ist nach dem Muster DE-ÖKO-000 aufgebaut. "DE" steht für das Land (Deutschland), "ÖKO" für die ökologische Produktion, und die Ziffern am Ende sind die Referenznummer der zuständigen Öko-Kontrollstelle. Über diese Nummer lässt sich die Kontrollstelle identifizieren.

Warum sind Mineralstoffe wie Magnesium oder Zink nicht bio?

Weil Bio-Zertifizierung nur für landwirtschaftliche Erzeugnisse möglich ist. Mineralstoffe sind keine Pflanzen oder Tiere - sie werden nicht angebaut. Ein Mineralstoff-Supplement kann deshalb grundsätzlich kein Bio-Siegel tragen, unabhängig von seiner Qualität.

Sind Bio-Vitamine sinnvoll?

Bei pflanzlichen Produkten kann Bio einen echten Unterschied machen — etwa bei Pflanzenölen, wo der Anbau die Qualität beeinflusst. Bei isolierten Vitaminen und Mineralstoffen ist eine Bio-Zertifizierung dagegen technisch oft gar nicht möglich. Bio ist also je nach Produktart unterschiedlich relevant.

Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.

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