In diesem Artikel
Auf der Zutatenliste mancher Supplements findet sich ein ungewöhnlicher Inhaltsstoff: Reismehl. Für manche ist das zunächst irritierend - was hat das da zu suchen? Die Antwort zeigt gut, warum Produktentwicklung immer ein Kompromiss aus Rohstoffmenge, Dosiergenauigkeit und Produktionstechnik ist. In diesem Artikel erklären wir, warum Reismehl als Inhaltsstoff bei bestimmten Nahrungsergänzungsmitteln eine gute Lösung ist.
Das Problem: Mikronährstoffe brauchen einen Träger
Der Ausgangspunkt ist banal, aber entscheidend: Viele Nährstoffe brauchen nur winzige Mengen pro Tagesdosis. Vitamin D3 verkaufen wir mit 125 µg pro Kapsel - das sind 0,000125 Gramm plus Vitamin K2 mit 100 µg. Diese Mengen sind so gering, dass sie eine Kapsel nicht annähernd füllen. Eine Standard-Kapsel in Größe 00 fasst etwa 500-800 mg Pulver. Eine Kapsel nur mit Vitamin D3 wäre also zu 99,98 % leer.
Ohne Träger gäbe es drei Probleme. Erstens: Dosierungenauigkeit. Die kleinsten Mengen an Wirkstoff würden sich in der Abfüllmaschine ungleich verteilen - manche Kapseln würden die doppelte Dosis enthalten, andere fast nichts. Zweitens: Produktionsausschuss. Die Maschinen können so geringe Pulvermengen nicht zuverlässig dosieren. Drittens: Haptik. Eine fast leere Kapsel wirkt defekt und schwächt das Vertrauen in das Produkt.
Die Lösung: Ein neutraler Trägerstoff
Die Lösung ist ein pharmazeutisch bewährtes Prinzip: ein inerter Träger, der den Wirkstoff gleichmäßig verteilt und das Kapselvolumen auffüllt. Der Inhaltsstoff wird homogen in den Träger eingemischt - jeder Gramm der Mischung enthält dann exakt die gleiche Menge. Die Abfüllmaschine dosiert das Gesamtvolumen, und jede Kapsel erhält automatisch die korrekte Wirkstoffmenge.
Am Markt haben sich dafür mehrere Trägerstoffe etabliert: mikrokristalline Cellulose, Maltodextrin, Calciumphosphat - und eben Reismehl. Diese Stoffe unterscheiden sich hinsichtlich Natürlichkeit, Verarbeitungsgrad und Verträglichkeit.
Warum Reismehl und keine Alternative?
Reismehl ist ein unverarbeitetes Grundnahrungsmittel - fein gemahlener Reis, nichts weiter. Damit unterscheiden sich unsere Reismehl Kapseln grundlegend von Produkten mit gängigen Alternativen. Mikrokristalline Cellulose wird aus Holz- oder Baumwollfasern durch Säurebehandlung gewonnen. Maltodextrin entsteht durch industrielle Spaltung von Stärke – häufig aus Mais. Calciumphosphat ist ein mineralisches Salz. Alle drei sind zugelassen, aber keines ist ein Lebensmittel, das man aus der Küche kennt.
Für Reismehl sprechen folgende Argumente:
- Natürlicher Ursprung: Reismehl ist nichts anderes als gemahlener Reis - ohne chemische Behandlung, ohne Aufspaltung, ohne Zusätze
- Allergenarm: Reis gehört zu den am wenigsten allergenen Getreiden. Anders als Weizen, Soja oder Mais ist Reisallergie sehr selten
- Geschmacksneutral: Reismehl hat keinen Eigengeschmack - wichtig bei Kapseln, die sich im Magen öffnen
- Gute Fließeigenschaften: Die feine, gleichmäßige Partikelstruktur ermöglicht eine präzise maschinelle Dosierung, ohne dass ein zusätzliches Trennmittel wie Magnesiumstearat nötig wird
Der letzte Punkt ist besonders relevant: Reismehl hat gute natürliche Fließeigenschaften. Das bedeutet, dass eine saubere Kapselproduktion möglich ist, ohne dass zusätzliche Trennmittel oder Rieselhilfen eingesetzt werden müssen. In der Praxis heißt das: Kürzere Zutatenliste, weil ein guter Trägerstoff andere Hilfsstoffe überflüssig macht.
In welchen Heros-Produkten ist Reismehl enthalten?
Nicht in allen. Wir setzen Reismehl nur dort ein, wo es nötig ist. Aktuell findet sich Reismehl als Füllstoff in diesen Produkten:
- Vitamin B1 Kapseln – 3 Zutaten: Thiaminhydrochlorid, Reismehl, HPMC
Wann braucht es kein Reismehl?
Grundsätzlich braucht man kein Reismehl, wenn man einen Inhaltsstoff verwendet, dessen Dosierungsmenge ungefähr dem Kapselvolumen entspricht. Das ist zum Beispiel bei unseren Magnesium Kapseln der Fall.
Unsere Bio-Vitalöl Kapseln (Oreganoöl, Schwarzkümmelöl, Nachtkerzenöl) enthalten ebenfalls kein Reismehl - bei flüssigen Wirkstoffen dient das Öl selbst als Trägermedium.
Unsere Haltung: So viel wie nötig, so wenig wie möglich
Reismehl ist für uns kein Kompromiss, sondern die beste verfügbare Lösung für den jeweiligen Anwendungsfall. Wo ein Träger nötig ist, entscheiden wir uns für den bestmöglichen.
Welche anderen Hilfsstoffe in Supplements vorkommen und warum wir auf Magnesiumstearat, Siliciumdioxid und mikrokristalline Cellulose verzichten, erklären wir im verlinkten Artikel. Mehr über HPMC-Kapselhülle und welche Zusatzstoffe in Supplements enthalten sein können, findest du in den anderen Artikeln.
Häufige Fragen
Warum ist Reismehl in Supplements enthalten?
Reismehl dient als natürlicher Füllstoff. Es sorgt für eine gleichmäßige Verteilung des Wirkstoffs innerhalb der Kapsel und füllt das Kapselvolumen auf, wenn der Nährstoff selbst zu wenig Volumen einnimmt - etwa bei Mikronährstoffen wie Vitamin D3. Ohne Füllstoff wäre eine präzise Dosierung nicht möglich.
Ist Reismehl in Supplements bedenklich?
Nein. Reismehl ist ein natürliches und allergenarmes Lebensmittel. Es ist geschmacksneutral, gut verdaulich und enthält keine weiteren Zusätze.
Warum nicht mikrokristalline Cellulose oder Maltodextrin?
Reismehl ist ein natürliches, unverarbeitetes Lebensmittel, während mikrokristalline Cellulose ein aufbereiteter Faserstoff und Maltodextrin ein industriell verarbeitetes Kohlenhydrat ist. Aus unserer Sicht ist Reismehl die beste Wahl, wenn ein Füllstoff nötig ist.
Nahrungsergänzungsmittel sind kein Ersatz für eine ausgewogene und abwechslungsreiche Ernährung sowie eine gesunde Lebensweise. Die empfohlene tägliche Verzehrmenge darf nicht überschritten werden. Dieser Artikel dient der Information und ersetzt keine ärztliche Beratung.